Erfahrungsberichte

 

Von August 2010 bis Mai 2011 habe ich ein Praktikum an der Schule Jesús de Nazareth, die damals noch Caminito de Jesús hieß, gemacht. An meine Aufregung und Zweifel vor dem Abflug kann ich mich noch sehr gut erinnern. Rückblickend waren diese 9 Monate jedoch das Beste, was mir passieren konnte.Alles begann mit einem Anruf bei Margarita, der Gründerin der Schule, die in Hamburg lebt. Ihre Telefonnummer hatte ich über entfernte Verwandte bekommen. Margarita war auf Anhieb sehr herzlich und offen, ein Wesenszug, der mir später bei vielen Ecuadorianern aufgefallen ist. Sie hat mich direkt zu sich nach Hamburg eingeladen, um mir das Projekt besser erklären zu können. Gesagt, getan, 2 Wochen später saß ich bei Margarita im Wohnzimmer und habe mir Fotos von der Schule, der Stadt Guayaquil und dem Land zeigen lassen. Die Begeisterung Margaritas ist ansteckend und so habe ich mich nach einer Woche Bedenkzeit für das Praktikum entschieden.
Der persönliche Kontakt zu Margarita und das unbürokratische Verfahren bei der Bewerbung (die eigentlich gar keine war) hat mich überzeugt. Die Organisation meiner Reise verlief dann sehr schnell. Margarita organisierte mir die nötigen Dokumente zur Beantragung des Visums und ich ließ mich so oft impfen, wie noch nie in meinem Leben (schließlich weiß man nie und in den Tropen soll es ja einige Krankheiten geben- glücklicherweise ist mir keine davon je begegnet). Leider ist es ojalá e.V. nicht möglich, ihre Praktikanten auch finanziell zu unterstützen. Ich kann die Stipendienprogramme des Daad (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) empfehlen. Nach meiner Erfahrung ist es beispielsweise relativ unproblematisch möglich, einen Reisekostenzuschuss für Praktika im Ausland zu erhalten, der in meinem Fall etwa die Hälfte der Reisekosten deckte. Margarita hat für mich eine Gastfamilie gefunden. Meine Gastmutter war Lehrerin an der Schule Jesús de Nazareth. Schon bevor ich wusste, wer sie war hatte ich eine Freundschaftseinladung bei facebook von ihr.Mit vielen Ideen, Träumen und nichtsdestotrotz einer Menge Nervosität im Gepäck begann mein Aufenthalt in Ecuador dann schließlich mit der Ankunft am Flughafen von Guayaquil- begrüßt von heißer trockener Luft und Palmen. Ich wurde von einer Lehrerin der Schule abgeholt und wir sind ersteinmal mitsamt all meinem Gepäck in die Schule gefahren. Nach über 20 Stunden Flug wäre mir in diesem Moment eine Dusche lieber gewesen, aber die Eindrücke, die auf mich einströmten, haben mich dies schnell vergessen lassen. Meine erste Woche in Guayaquil würde ich mit dem Wort „Reizüberflutung“ beschreiben.Die Stadt Guayaquil mit ihren großen Kontrasten, den ungewöhnlichen Pflanzen (Palmen, Mangobäume, Hibiskus- statt Buchsbaumhecken), dem Verkehrschaos, dem Lautstärkepegel, der sich aus laut rufenden Verkäufern, Gehupe und lateinamerikanischer Musik aus mehreren Quellen zusammensetzt. Meine Gastfamilie (Gastmutter mit drei Kindern), die in relativ einfachen Verhältnissen lebt und mich unglaublich herzlich aufgenommen hat, sodass ich mich direkt zu Hause gefühlt habe. Und schließlich und vor allem die Schule Jesús de Nazareth, welche in einem Viertel am Rande Guayaquils liegt.
Das Viertel, in dem die Schule liegt, sowie das Schulgebäude selbst wirken wahrscheinlich im ersten Moment erschreckend auf jeden, der an europäische Standards gewohnt ist. Fehlende Auststattung, sowie große Klassengrößen haben das Unterrichten zusätzlich erschwert. Die Kinder jedoch, die sich schon in der ersten Pause um mich ringten, weil sie von der neuen „señorita alemana“ gehört hatten, muss man einfach gern haben.Verglichen mit deutschen Schulen, ist vieles anders an der Schule Jesús de Nazareth, deshalb ist es mir anfangs schwer gefallen, mich in den Schulalltag einzufügen und passende Aufgaben für mich zu finden. Mit der Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass alle Lehrer Vorschlägen sehr offen gegenüber stehen und sich auch immer helfende Hände finden. So habe ich gemeinsam mit einer anderen Praktikantin einen zusätzlichen Englischkurs am Nachmittag angeboten, sowie eine der Schulmauern neu bemalt. Mit einigen Schülern habe ich Ausflüge unternommen und sie so auch persönlich besser kennengelernt. Auch als Vertretungslehrerin konnte ich aushelfen, wenn einmal Not am Mann war. Nach den 9 Monaten ist es mir sehr schwer gefallen, die Kinder sowie das Kollegium wieder zu verlassen. Mit vielen stehe ich immer noch in Kontakt.
Zusammenfassend war das Praktikum am Jesús de Nazareth eine der erfahrungsreichsten Zeiten in meinem Leben, in der ich viele gute Freunde gewonnen habe und die mir einen anderen Blick auf die einfachsten Dinge gegeben hat.
Marion Schmelz
Praktikum Marion

Praktikum Marie

Praktikum Matje, Juga und Katahrina

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