freiwilliges soziales Jahr

Besuch bei meinem Patenkind

Während meiner Reise nach Ecuador im März hatte ich die Gelegenheit, mein Patenkind José und seine Familie zu besuchen. Davon möchte ich hier gerne berichten:

Bereits mehrere Wochen vor meiner Abreise hatte ich Ojala e.V. geschrieben, dass ich während meiner Reise in Ecuador sehr gerne auch die Familie meines Patenkindes José besuchen würde. Es war mein großes Glück, dass zur gleichen Zeit die Gründerin der Schule, Margarita, ebenfalls in Ecuador war und mich dort treffen konnte.
Gemeinsam fuhren wir mit einem Taxi raus aus der Stadt zur Schule. Pascuales ist einer von dutzenden von Vororten, die rund um Guayaquil liegen. Egal in welche Richtung man die Stadt verlässt, immer fährt man lange vorbei an solchen Siedlungen, zum Teil auf Hügeln gelegen. Einige der Häuser oder Hütten hier sind aus Beton, aber viele sind auch aus weniger stabilen Baumaterialien, sind sehr klein und kommen wohl dem sehr nahe, was man sich als Europäer unter einer „Wellblechhütte“ vorstellt. Viele der Leute standen vor ihren Häusern, Kinder spielten in den Gassen und die meisten Menschen freuten sich, Margarita zu sehen und sprachen ein paar Worte mit ihr.
Leider sind im März in Ecuador Schulferien, so dass wir nur leere Klassenzimmer und einen leeren Schulhof besichtigen können. Das Gebäude kenne ich von Fotos, die immer mal wieder bei den Rundbriefen dabei sind. Es sind schöne, helle Räume und sowohl Kindergarten wie auch die Schule haben einen Innenhof. Das Klima – besonders jetzt in der Regenzeit - fordert regelmäßig Reparaturarbeiten, an vielen Wänden blättert die Farbe etwas ab, der Putz und die Toiletten haben (wie in den meisten Armenvierteln rund um Guayaquil) keine Kanalisation: Margarita wartet seit Wochen darauf, dass die Wasserwerke der Stadt das Sammelbecken abpumpen.
Etwa 200 der 360 Kinder haben Paten, die anderen werden mitfinanziert, da die Familien in der Umgebung der Schule kein Geld für die Schulausbildung haben und die Stadt nichts dazu zahlt.
Von der Schule aus müssen wir wieder ein Taxi nehmen, denn das Haus von José liegt  nicht direkt in diesem Viertel, sondern etwa 20 Minuten Autofahrt davon entfernt. Der Weg dorthin ist mit Müll, toten Tieren und allem Möglichen gesäumt, da es in diesen ganzen Siedlungen keine Müllabfuhr gibt. Das Haus liegt auf einem Hügel, steht auf Stelzen und ist aus Bambus und Holzbrettern, so dass es angenehm kühl dort ist und man einen schönen Ausblick über die Gegend haben. Sie haben zwei kleine Zimmer und neben dem Haus einen kleinen Gemüsegarten. Wir haben großes Glück, dass beide Eltern und alle vier Kinder da sind – wir sind ja gar nicht richtig angekündigt! Die Familie weiß nur, dass ich irgendwann kommen wolle, aber sie haben kein Telefon. Trotzdem empfangen sie uns so herzlich und sind sichtlich sehr gefreut, uns zu sehen! Praktikum in EcuadorFür kurze Zeit vergesse ich die komische „reiche Tante besucht Patenkind“-Situation und bin nur glücklich darüber, hier sein zu können. Ein bisschen befangen sitzen wir eine Weile bei der Familie und unterhalten uns mit Margaritas Hilfe. José hat noch drei Geschwister: Alex, Anon und Marcela. Sein Vater arbeitet als Maurer, aber heute ist er nicht zur Arbeit gegangen, um bei seinen Kindern zu bleiben. Wir sprechen vielleicht nicht mehr als 15 Minuten, dann gehen wir wieder zurück – das Taxi wartet.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, dass ich es mir als Studentin in Deutschland leisten kann, einem Kind seine Schulbildung zu zahlen. Und dass mein Monatsgehalt als studentische Hilfskraft  wahrscheinlich über dem des Vaters meines Patenkindes liegt – und das, obwohl in Ecuador zwar vieles billiger, aber nicht so viel billiger ist als hier. Aber es ist viel wichtiger zu sehen, wie viel das Geld ausmachen kann und in was für verantwortungsvollen Händen es bei der Schule ist. Ich bin sehr dankbar für diesen doch sehr kurzen Besuch und Einblick. (Mehr Fotos dazu: Fotos )

(Lena 2007)