Hitze liegt über der großen Hafenstadt Guayaquil. Zwischen den Abgasen der Autos warten wir auf den Bus. Endlich kommt einer, der in Richtung Südosten der Stadt fährt. Vor uns liegt nun eine Stunde Fahrt. Wir steigen ein. Salsa-Rhythmen schallen uns entgegen, der Bus ist voll unterschiedlichster Menschen, es riecht nach Schweiß, die Luft ist trocken. Ein Kind kommt herein, es verkauft Wasser in Plastiktüten. Haltestellen gibt es nicht, plötzlich müssen wir raus, wir drängen uns durch die Menschen. An einer Straßenecke springen wir aus dem Bus und halten einen weiteren an. Später, nach viermaligem Umsteigen, erreichen wir eine große staubige Straße, die einer Autobahn gleicht, und fahren von hier aus mit einem "Pick-up" unter freiem Himmel bis zur Schule. 
 
Unser Weg führt vorbei an Fabriken, Müllhalden und staubigen trockenen kaum bewachsenen Hügeln . Die Häuser, die uns auf der Fahrt begegnen, zeugen von Einfachheit und Armut. Die meisten sind aus Wellblech, Bambus oder Pappe. Mitten auf der großen Straße hält der Wagen und der Fahrer bittet uns auszusteigen. Wir sind angekommen. Es empfängt uns eine flimmernde Mittagshitze. Das Viertel Pascuales ist in mehrere Cooperativen aufgeteilt, die links und rechts von der großen Teerstraße liegen. Das Wohnviertel der Schule heißt Sector San Nicolas und ist ein Teil der Gemeinde Pascuales.

Wir stapfen also los, entlang einer staubigen Straße. Ringsherum befinden sich auf  Stelzen stehende Häuser, die oft aus nicht mehr als einem Raum bestehen, in dem sich das gesamte Leben der Familie abspielt. Hühner, Schweine, Hunde und andere Tiere picken unter den Häusern zwischen Schlamm und Müll herum. Wir laufen durch eines der vielen Armenviertel am Rande der Stadt Guayaquil. Eines der vergessenen Viertel  in einem "neoliberalen" Staat.
 

Aus vielen der Häuser ragen Stromkabel heraus, mit denen sich die Bewohner ihren Strom von den vereinzelt vorkommenden Strommasten in der Nähe der großen Straße abzapfen. Geschäfte gibt es hier weit und breit nicht. Wir kommen nur an einem kleinem Kiosk vorbei, in dem Kekse, Süßigkeiten und Kaltgetränke zu überteuerten Preisen angeboten werden. Hauptsächlich wird diese Randgegend von Arbeitern und Bauern bewohnt, die jeden Morgen den langen Weg in die Stadt auf sich nehmen, um zu ihrer Arbeit zu gelangen, wenn sie überhaupt Arbeit haben.

Keine der Straßen, über die wir laufen, ist befestigt, weder gepflastert noch geteert. Erschöpft von der Hitze und berührt von den  Eindrücken dieses Ortes erreichen wir die Schule, die in diesem Teil von Pascuales das einzige Haus aus Stein ist. Wir werden sehr herzlich von den Kindern und Lehrerinnen empfangen.
In einem Gespräch mit Lorena, einer Mitarbeiterin der Schule, erfahren wir, dass es in diesem Teil von Pascuales weder Gesundheitszentren noch Ärzte gibt. Auch die Trinkwasserversorgung im Viertel ist sehr notdürftig. Einmal wöchentlich wird mit einem Tankwagen die Wochenration Trinkwasser in die neben den Häusern stehenden Tonnen gefüllt. Dieses Wasser muss von der Bevölkerung teuer bezahlt werden. Während der Trockenzeit (Mai bis September) ist Wasser ein kostspieliges Element geworden.
 

Eine wirkliche Kanalisation ist ebenfalls in ganz Pascuales nicht vorhanden. Man spricht von einer "primitiven Kanalisation". Hinter den Häusern fließt ein kleiner Bach, der in einen Fluß mündet. Um Lebensmittel einzukaufen, müssen die Bewohner den beschwerlichen Weg in die Stadt auf sich nehmen, Märkte gibt es hier nicht . Bei den großen Entfernungen wird den Menschen dieser Region das immer schwankende Tranportverkehrsnetz häufig zum Problem. 

Um gegen 7 Uhr in der Stadt zu sein, müssen die Anwohner bereits um 5 Uhr an der Straße stehen in der Hoffnung von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen zu werden. Ein Bus fährt hier nicht. Wir sind an diesem Tag einem Leben begegnet, das für uns unvorstellbar ist.