| DIE REGIONEN
Ecuador läßt
sich in drei topographische Großräume gliedern:
costa - das
westliche Küstentiefland
sierra - das
zentrale Andenhochland
oriente - das östliche
Tiefland, das Teil vom großen Amazonasbecken ist
Die Küste
Die Küste
zieht sich von Norden bis zur Grenze nach Peru am Pazifik entlang.
Hier
findet man überwiegend Bananenplantagen,
Kaffee, Kakao, Zuckerrohr sowie Reisanpflanzungen
und Garnelenzuchtanlagen.
Die
meisten dieser Rohstoffe sind für den
Export gedacht. Das Zentrum der Küste
ist die riesige Hafenstadt Guayaquil (3 Mio.
Einwohner). Sie ist die Metropole für
Handelsgeschäfte mit dem Ausland.
Die Sierra
Die Hauptstadt
Quito (1,7 Mio. Einwohner) liegt im Andenhochland, der Sierra. Hier
im Hochland werden hauptsächlich Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte,
Obst und Gemüse angebaut. Insgesamt ist die Landschaft geprägt
von hügeligen grünbewachsenen Vulkanen.
Der Tropische
Regenwald
Eines
der am wenigsten besiedelten Gebiete Ecuadors ist der tropische
Regenwald. Auch wenn es immer noch viel intakten Wald gibt,
ist seine Zukunft ungewiss. Die Erdölproduzenten, meist
ausländische Firmen wie Shell und Aral, schädigen
zunehmend das ökologische Gleichgewicht. Auch die indianische
Bevölkerung hat tagtäglich mit der Erdölindustrie
in ihrem Lebensraum zu kämpfen.
DIE SPRACHE
Die Amtssprache
in Ecuador ist Spanisch. Sie dient in der Küstenregion auch
als Handels - und Umgangssprache. In der Sierra sprechen die meisten
Indigenas allerdings Quichua und Chaibscha, zwei Indigenasprachen.
Ursprünglich
gab es in den Anden etwa 16 verschiedene Sprachen, von denen die
meisten jedoch verschwunden sind. Dies ist ein Ergebnis der spanischen
Vorherrschaft, die das Spanische durch Gesetzgebung, Lehrer, Steuereintreiber
und Priester durchsetzte. Selbst Lehrer indianischer Herkunft unterrichteten
nur Spanisch und achteten darauf, dass ihre Schüler auch untereinander
nicht ihre Indio-Sprache praktizierten. Heute wird in fast keiner
ecuadorianischen Schulen zweisprachig unterrichtet.
ETHNISCHE
GRUPPIERUNGEN
Ecuador
ist eines der Länder Lateinamerikas mit dem höchsten
Anteil indigener (indianischer) Bevölkerung und dem
niedrigsten Anteil Weißer an der Gesamtbevölkerung.
Insgesamt lassen sich 10 verschiedene Indigena-Völker,
die in der Sierra und im Regenwald leben, unterscheiden.
Es gibt nur
wenige verlässliche Daten über die verschiedenen Gruppen
der Indigenas. Sie werden meist nicht in Zählungen erfasst,
u.a. deswegen, weil sie als Halbnomaden leben. Andere gehen in
die Städte und legen ihre traditionelle Kleidung ab, um nicht
mehr als Indigenas identifiziert zu werden.
Außerdem
leben in der Sierra mehrheitlich viele Mestizen (Mischlinge),
die sich mehr und mehr dem westlichen Lebensstil anpassen und
sich nicht mehr mit ihren ursprünglichen Wurzeln auseinandersetzen.
Offiziell werden
allen ethnischen Gruppen in Ecuador die gleichen Rechte eingeräumt.
Aber Rassismus ist tagtäglicher Bestandteil der ecuadorianischen
Gesellschaft. Eine Ausnahme bilden die Otavaleños, die durch
ihre handwerklichen Künste einen sozialen Aufstieg vollzogen.
Die Indigenas sind Außenseiter in der ecuadorianischen Gesellschaft.
Ihre Sprache und Kultur wurde über Jahrhunderte verachtet
und unterdrückt.
KONFLIKT
ZWISCHEN KÜSTE UND SIERRA
Ein
kulturell und auch sozialer Bruch, der auf die Kolonialzeit
zurückgeht, wird immer deutlicher: die Spaltung zwischen
den Menschen der Sierra und denen der Küste. Die Küste
strebt nach völliger Autonomie und einer Abspaltung
von der Sierra. Die Küstenregion wirft der Sierra vor,
die militärische und kirchliche Macht zu konzentrieren
und die legitimen Forderungen der Küste zu missachten.
SOZIALE
UNTERSCHIEDE
Ecuador
ist eines der südamerikanischen Länder mit den
größten Gegensätzen zwischen arm und reich. Über
die Hälfte der Ecuadorianer müssen tagtäglich
um ihre Existenzgrundlage kämpfen. Hauptproblem ist
die Erwerbslosigkeit, auch wenn offiziell nur 9% Arbeitslose
gezählt werden.
Wie in vielen
südamerikanischen Ländern reicht eine Arbeitsstelle nicht
aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die meisten Ecuadorianer
arbeiten in der Landwirtschaft, die zu einem Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt
beiträgt. Mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen arbeiten
im sogenannten informellen Sektor, d.h. als Hauspersonal, in der
Landwirtschaft oder in der Kleinproduktion:
Hunde
werden gegen Bezahlung ausgeführt, reiche Bürger
lassen sich ihre Gärten pflegen.
Da
alle Leistungen bar bezahlt werden, entgehen
dem Staat Steuergelder und der Arbeiter
ist nicht sozial versichert. Die reichen
Ecuadorianer leben in sogenannten "Ciudadelas ",
bewachte eigene Stadtviertel, in denen
Bettler und Arbeit suchende Tagelöhner
nicht geduldet werden. Die Armut wird an
den Rand der Stadt gedrängt. Hier
bilden sich Slums, in denen die Menschen
ohne Kanalisation, zuverlässige Trinkwasserversorgung
und Strom leben. Diese Teile der Infrastruktur
werden in diesen Stadtteilen von der Politik
völlig vernachlässigt. In solch
einem Gebiet befindet sich auch die Schule "Caminito
de Jesús".
DIE MOMENTANE
POLITISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE SITUATION IN ECUADOR
Ecuador
macht zur Zeit eine Krise nach der anderen durch und es scheint
kein Ende und keine Lösung zu geben. Angefangen hat
es schon 1994 mit den sich zuspitzenden Unruhen an der Grenze
zum Nachbarland Peru. In diesen, teilweise sinnlosen Regenwaldterritorialkrieg
wurden von den ständig wechselnden Regierungen Ecuadors
(in nur drei Jahren hatte Ecuador fünf verschiedene
Präsidenten) viele Dollar gesteckt. Der populistische
Präsident Abdal Bucaram gewann zwar durch spektakuläre
Wahlkampfauftritte die Herzen der Armen, doch ließ er
Millionen von Dollar in dunkle Kanäle verschwinden.
Das Parlament erklärte ihn für "nicht zurechnungsfähig" und
wählte Fabian Alarvon zu seinem Nachfolger, der jedoch
nach nur achtmonatiger Amtszeit wegen schwerer Korruptionsvorwürfe
seines Amtes enthoben wurde.
Zudem kam eine
neue wirtschaftliche Katastrophe auf Ecuador zu. "El Nino" sorgte
1997/98 für Dürre und zahlreiche Überschwemmungen
an der Küste. Als Folge dieser verschiedenen Faktoren kam
es zu Misswirtschaft in vielen wichtigen Exportbereichen. Der Weltbananenlieferant
Ecuador musste hohe Summen einbüßen, und auch der Fall
des Erdölpreises auf dem Weltmarkt zerrüttete die Staatsfinanzen.
Gleichzeitig verstrickten sich Exekutive, Legislative und das oberste
Gericht in Machtkämpfe, die das Land lähmten und die
Politiker allgemein in Verruf brachten.
Ecuador ist
eins der meist verschuldeten Länder Lateinamerikas. Die Vulkanausbrüche
des Hausbergs von Quito und des Thungurahua, an dessen Fuß ein
bedeutender von der Landwirtschaft profitierender Teil der Bevölkerung
lebt, haben das Leben vieler Ecuadorianer zur Hölle gemacht.
Die Ernte fiel durch Schwefelvergiftung aus, Dörfer und Städte
wurden zu Geisterorten und Tausende von Menschen verloren ihre
Arbeit und wurden heimatlos. Der Staat sah jedoch keine direkte
Notwendigkeit zu handeln. Eher beruhte die Reformpolitik des im
August 1998 gewählten Christdemokraten Mahuad in der Eindämmung
des Schuldenberges und der Wahrung des Gesichts Ecuadors im Ausland.
Somit
reagierte er mit einer Erhöhung der Benzin-, Strom- und
Lebensmittelpreise sowie der Privatisierung von mehreren Universitäten
und der Schließung von Konzernen, das heißt jeglicher
Streichung von staatlichen Subventionen.
Aufgrund der
hohen Inflationsrate erfolgte schon im März 1998 der Zusammenbruch
mehrerer Banken; Konten wurden eingefroren. Der Dollar schoss bis
zum 5. Januar 2000 um rund 250 Prozent in die Höhe. Stand
also die nationale Währung, der Sucre, im Sommer 1999 noch
16000 zu einem Dollar, kostete ein Dollar nun 30.000 Sucre. Schon
zuvor hatte das Volk gegen diese Wirtschaftspolitik mit mehreren
Generalstreiks und Aufständen reagiert. Alle Streiks und Forderungen
des vergangenen Jahres waren von Präsident Mahuad mit weiteren
Kürzungen und der Verhängung des Notstands beantwortet
worden. Das Militär, das als einzige Instanz noch hinter dem
Präsidenten stand, sollte auf der Straße für Ruhe
sorgen.
Als Mahuad
Anfang des Jahres 2000 verkündete, er wolle die hohe Inflation
durch eine Dollarisierung, das heißt der Angleichung an den
Dollar, beenden, spitzte sich die Lage zu: 5000 Indigenas und weitere
Vertreter der patriotischen Front besetzten am 21. Januar 2000
mit überraschender Unterstützung des Militärs das
Parlament und riefen eine Regierung der nationalen Rettung aus.
Innerhalb nur weniger Stunden erfolgten verschiedene personelle
Umbesetzungen, General Mendoza setzte sich an die Spitze dieser
Regierung und löste die Regierung auf Druck der USA noch in
der gleichen Nacht durch seinen Rücktritt auf. Neuer Präsident
wurde der Vizepräsident Gustavo Novoa.
Dieser neue
Präsident, der in einer Rede an das Volk betonte, er werde
an der Politik seines Vorgängers festhalten, bedeutet für
die Bevölkerung keine Verbesserung ihrer Situation. Der öffentliche
Dienst funktioniert nicht mehr. Die Wirtschaft steht de facto still.
Die Krimininalität breitet sich in den Städten wie eine Ölpest
aus. Auf einer kürzlich durchgeführten Umfrage schenken
nur noch zwei Prozent der Ecuadorianer der Politik Glauben. Noch
weniger Prestige genießt die Justiz. Hingegen vertrauen 38
Prozent dem Militär.
Der Putsch
wird nicht die letzte Aktion der Indios sein. "Wir werden wachsam
sein und uns uns nicht noch einmal betrügen lassen ", verkündet
Vargas, der Wortführer der Conaie (Organisation der indianischen
Bevölkerung), gegenüber der Presse.
Resultierend
aus der Regierung Noboas wird die Dollarisierung vorangetrieben
und im April 2000 wurde der Dollar als neue Währung eingeführt.
Diese "Dollarisierung" löst in der Bevölkerung und im
Parlament heftigen Widerstand aus. Umfassende Strukturreformen
sollen nun folgen. Subventionen - vor allem zu Lasten des ärmeren
Teils der Bevölkerung und der Heimischen Unternehmer - sollen
gekappt und die Einfuhrzölle gesenkt werden. Ecuador will
die Privatisierungen ankurbeln , den Etat sarnieren und den gesamten
Staatsapparat modernisieren. Jeder dieser Programmpunkte ist geeignet,
eine innenpolitische Krise auszulösen.
Ecuador befindet
sich in der schlimmsten Krise des eben erst zu Ende gegangenen
Jahrhunderts. Die indianische Bevölkerung versinkt im Elend,
ihre Kinder haben keine Zukunft. Das Land findet keine Ruhe. Opfer
dieser Entwicklung ist die Mehrheit der Bevölkerung Ecuadors.
Opfer
sind die Menschen, die in den ärmsten Verhältnissen
um das Überleben ihrer Familien und ihrer Kinder kämpfen. |